„Pauline“ und „Caramello“

Seit drei Jahren besuchen die beiden Clowns „Pauline“ und „Caramello“ monatlich die Familien im Kinderhospiz St. Nikolaus.

„Caramello“ heißt im „richtigen“ Leben Helmut Maimer. Der Psychiater machte in seiner Freizeit ursprünglich eine Ausbildung zum Theaterclown. „Pauline“ Kati Schreiner arbeitet hauptberuflich als Puppenspielerin, Zirkuspädagogin und Klinikclownin, sie war lange Jahre als Kinderkrankenschwester tätig.

Erstaunliche Reaktionen

Die beiden erinnern sich an eine Begegnung im Kinderhospiz mit einem hochgradig autistischen Jungen: „Wir sahen bei ihm erst überhaupt keine Regung, doch dann nahm er uns plötzlich einfach an den Händen und führte uns durch das Haus“. Diese Reaktion erstaunte auch die Eltern, da ihr Kind sonst nur sehr schwer Kontakt zu seiner Umwelt aufbaut. „Es muss an unserer Rolle als ,Caramello‘ und ,Pauline‘ liegen. Ein Clown ist eben mehr als nur ein Spaßmacher. Der Weg eines Clowns führt direkt zum Herzen“, sagt Helmut Maimer.

Eingespieltes Duo

Kennengelernt haben sich die beiden bei einem Clown-Workshop, jetzt sind sie ein eingespieltes Duo. „Gerade bei Situationskomik müssen wir uns aufeinander verlassen können, denn es kommt darauf an, dass die Clowns-Figuren auch passend aufeinander reagieren“, so Kati. Als Psychiater wollte Helmut eigentlich nicht in Richtung Klinikclown gehen. „Aber das Haus voller Leben“, wie das Kinderhospiz auf seiner Broschüre wirbt, das hat mich dann doch gereizt“, gesteht er.

Wo sind all die Kolibris?

An einem Nachmittag im heißen August erleben nun Enya und ihre Schwester Emily das erste Mal den Auftritt von „Caramello“ und „Pauline“. „Echt toll, wie die Clowns immer so spontan reagieren. Emily hatte zum Beispiel Kolibris auf ihrem T-Shirt und schon verbanden die beiden Clowns alles was sie machten, eben mit Kolibris“, lacht die zehnjährige Enya.

Alle sind mit dabei

Voll integriert sind meist auch Eltern, Geschwister, Mitarbeiterinnen und erkrankte Kinder. „Wir bauen schnell Kontakt auf, gerade Kinder suchen vertrauensvoll die Nähe. Vielleicht auch gerade deshalb, weil wir skurrile Gestalten sind und uns außerhalb des Alltags bewegen“, so Helmut Maimer.  Mit Mimik, Pantomime und Gestik wirbeln die beiden immer wieder zwischen den Familien bei sommerlichen Temperaturen durch den Garten. Aus ihrem braunen Lederkoffer zaubern sie immer neue Utensilien, die in spontane Spiele münden.

„Schon ziemlich cool“

Die Mutter der achtjährigen Emily verrät lachend, dass ihre Tochter auf jeden Fall auch Clownin werden will: „Sie bezeichnet ,Caramello‘ und ,Pauline‘ schon als ihre ,Kollegen‘.“ Die dreifache Mutter freute sich ebenfalls über die besondere Atmosphäre an diesem Nachmittag und ergänzt: „Auch unser Colin, der an Leukodystrophie erkrankt ist, spürt die Fröhlichkeit und das Lachen in der Luft“. Beide Clowns betonen aber auch, dass ein Clown nicht immer lustig ist: „Er darf auch traurig sein. Unsere Aufgabe ist es, die Emotionalität zu leben.“

Mit Feingefühl viel Spaß haben

An diesem Nachmittag überwiegt die Fröhlichkeit. Immer wieder fallen „Caramello“ und „Pauline“ neue Spiele ein und sie begeistern damit ihr Publikum. Klar, auf jedem Baum im Garten sind immer noch die Kolibris unterwegs. Enya ist davon begeistert, aber auch dass sie Jonglieren mit Bällen lernt. Am Ende des Nachmittags findet sie schon alles ziemlich „cool“.

Emotionalität leben

„Pauline“ und „Caramello“ verbringen durchschnittlich zwei Stunden an einem Nachmittag im Kinderhospiz. Beide sind sich einig: „Es bringt Freude, in unseren Rollen mit allen Facetten der Gefühle handeln zu dürfen. Unsere roten Nasen öffnen Türen, die oft verschlossen sind.“ Eine große Verantwortung, die Feingefühl voraussetzt.

Breites Band der Gefühle

Sowohl Katie als auch Helmut kennen das Leid der Menschen auch aus ihrem Berufsleben. Als Clowns sind sie ebenfalls in einem engen Vertrauensverhältnis zu den Menschen und bleiben aber in ihrer Rolle als Clowns: Naiv, vertrauensvoll und emotional! Auch wenn die Traurigkeit mal im Vordergrund steht. Oft entsteht am Ende doch ein Lächeln.

Auch der Humor hat seinen Platz im Kinderhospiz St. Nikolaus – einem Haus voller Leben.