Roggenburg@home – der etwas andere Weg

Bekannte Wege verlassen und neue Pfade gehen, war das Motto in der Planung der diesjährigen Süddeutschen Tage der Familienbegegnung, die seit 14 Jahren eigentlich im Kloster Roggenburg stattfinden.

Jedes Jahr treffen sich dort Anfang August betroffene Familien sowie Familien von verstorbenen Kindern für vier Tage, die stets unter dem Motto stehen: „Zur Ruhe kommen, Kraft schöpfen, Erfahrenes teilen.“

Das Corona-Virus gab uns aber  einen neuen Takt vor. Die Entscheidung, die Begegnung im Kloster Roggenburg hinsichtlich der dynamischen Entwicklung in der Corona-Krise und des hohen Risikos für alle Beteiligten abzusagen, war Ende April ein richtiger, aber auch ein sehr schwerer Schritt für uns.

Nach und nach haben wir uns an das Veränderte gewöhnt und wagten im Sommer das Experiment Roggenburg@home. Wir wollten ein Familienseminar auf die Beine stellen, das Roggenburg in die Wohnzimmer der Familien mit einer Kombination aus digitalen Möglichkeiten der Vernetzung sowie Inspirationen für Familienaktionen bringt.

Zur Ruhe kommen
Der Wunsch, begleiteten Familien auch in diesen veränderten Zeiten zur Seite zu stehen und ein Angebot zu schaffen, welches Hilfe, Unterstützung und Trost beinhaltet, trieb uns in unseren Überlegungen an. In großartiger Kooperation mit dem Deutschen Kinderhospizverein entwickelten wir schließlich Roggenburg@home und starteten zum geplanten Seminartermin Anfang August. 25 Familien erhielten ein großes Paket mit vier dicken Briefumschlägen.„Schon das Paket war eine tolle Überraschung“ kommentiert eine Familie. Jedes Paket beinhaltete einen bunten Strauß an Ideen, Impulsen und Aufgaben, die gemeinsam oder von einzelnen Familienmitgliedern umzusetzen waren. Es lagen verschiedene Materialien bei z.B. für die Verzierung der traditionellen Familienkerze, zum Entzünden des Lagerfeuers im Garten, im besten Fall mit einem Feuerbohrer (die Anleitung lief über Video) und die nötige Ausrüstung für ein Daumenkino für die Geschwisterkinder.

Kraft schöpfen
„Wir haben viele schöne Stunden damit verbracht“, schreibt eine teilnehmende Familie in der Online-Austauschgruppe. Zusätzlich zu den praktischen
Ideen im Paket entwickelten wir ein digitales Angebot – immer mit dem Gedanken möglichst viel Roggenburg-Flair in die Wohnzimmer der Familien zu zaubern. Jede Familie entschied für sich, wie, wo und wann sie die einzelnen Tagesangebote umsetzen will.

Erfahrenes teilen
Wichtiger Bestandteil einer jeden Familienbegegnung ist der Austausch. In den verschiedenen Workshops, beim Essen oder am Lagerfeuer fand dies in Roggenburg immer statt und wir wollten auch bei Roggenburg@home die Möglichkeit bieten. Am ersten Abend war es Zeit für Lagerfeuer@home mit uns, dem Roggenburg-Team Hubertus Sieler (Deutscher Kinderhospizverein) und Janin Weisser (Süddeutsche Kinderhospiz Akademie). Das digitale Treffen am Bildschirm begann mit dem Abendritual, die gebastelte Familienkerze anzuzünden. Im anschließenden Austausch begegneten sich bekannte und auch neue Gesichter. Viele Gespräche entwickelten sich in der vernetzten Roggenburg-Gemeinschaft. Parallel konnten die Familien der Chatgruppe Roggenburg@home beitreten. Auch die Referierenden klickten sich mit Impulsen, Tutorials und herzlichen Grußbotschaften ein. Zum Abschluss der Roggenburg@home-Tage sandte Pater Roman, Geschäftsführer des Bildungszentrums Roggenburg, am Sonntag den traditionellen Segen an die Familien. Gleichzeitig sprach er die Einladung ins Kloster Roggenburg für den kommenden Sommer aus.

Zeit in der Gemeinschaft
Das Feedback der Familien war sehr positiv:
„Mir fehlt Roggenburg in diesem Jahr ganz besonders, wie sicher vielen anderen auch, aber durch Roggenburg@home habt Ihr ganz viel zu uns nach Hause gebracht.“

„Eure Ideen, die Gedanken zum Tag und zur Nacht, die Beiträge, der Chatraum und die Videokonferenzen haben Roggenburg zu einem neuem besonderen Erlebnis werden lassen.“

Wir schauen dankbar auf die gemeinsam verbrachte Zeit zurück, auf die neuen Erfahrungen, die Offenheit aller Beteiligten und richten nun unseren Blick hoffnungsvoll auf das Jahr 2021, das wir gerne wieder gemeinsam in Roggenburg verbringen wollen. Gemeinsames Stockbrot und  Musizieren am Lagerfeuer ist leider digital nicht ganz zu ersetzen.


von Janin Weisser

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